Arbeiten für eine NGO

Arbeiten für eine NGO – Wer wird gesucht und wie attraktiv sind die Stellen überhaupt?

Elisabeth Schipflinger

Immer mehr Menschen entdecken NGOs als Arbeitgeber. Zurzeit bestehen in Österreich rund 212.000 Vertragsverhältnisse im Non-Profit-Sektor1). Interessante und sinnvolle Aufgaben, nette Kollegen und Vorgesetzte, Mitsprache bei Entscheidungen und gute Sozialleistungen: bei der Jobauswahl wird diesen Kriterien gegenüber dem Gehalt immer mehr an Bedeutung beigemessen. Wie fängt man aber in dieser Branche an? Und werden diese Ansprüche von den Nicht-Regierungs-Organisationen wie dem Österreichischen Roten Kreuz, Licht für die Welt, Fairtrade und WWF auch wirklich erfüllt?

Nach Rom führen bekanntlich mehrere Wege, auch zum Arbeitsplatz bei einer NGO. Egal ob direkt nach einer Lehre, einem Studium oder als Quereinsteiger auf der Suche nach sinnvolleren Aufgaben, wichtig sind vor allem die Identifikation mit den Zielen der NGO und eine der Stelle entsprechenden Qualifikation. Die Organisationen arbeiten immer professioneller und stellen daher auch höhere Ansprüche an ihre ArbeitnehmerInnen. Guter Wille und Interesse alleine sind nicht mehr ausreichend um einen bezahlten Job bei einer NGO zu bekommen. Das Spektrum der benötigten Fachkräfte ist aber so breit gefächert wie die Bereiche in denen die Organisationen tätig sind (siehe die vielen verschiedenen Branchen im NGO-Verzeichnis). Gut ausgebildete TheoretikerInnen wie PraktikerInnen werden gleichermaßen gesucht, denn die Projekte der NGOs verlaufen in äußerst komplexen Systemen. Nur als Beispiel: es ist wenig sinnvoll Raubtiere wie Wölfe und Bären zu fördern ohne die Bevölkerung über deren Wert und Gefährlichkeit aufzuklären und mit der Politik Schadensausgleiche für Bauern und Jäger auszuverhandeln. Hier braucht es neben zoologischem Wissen auch soziale und wirtschaftliche Kompetenz. Für Öffentlichkeitsarbeit, die für NGOs besonders wichtig ist, werden zumindest in den größeren Organisationen IT- und Marketing-SpezialistInnen benötigt. Ein Praktikum, ehrenamtliche Arbeit und vor allem die Projektassistenz bei der NGO öffnen oft die Tür zu einer bezahlten Stelle innerhalb der Organisation, sei es für die Dauer eines Projekts, eines Jahres oder längerfristiger.

Zuvor stellt sich jedoch die Frage, ob die angestrebte Stelle auch den persönlichen Vorstellungen und Wünschen entspricht. Auf der Internet-Plattform Kununu.com können MitarbeiterInnen und BewerberInnen Bewertungen für ihre Arbeitgeber erstellen. Auch viele NGOs sind vertreten, zum Beispiel in den Branchen „Gesundheit/Soziales/Pflege“ und „Vereine“.

Bereits beim ersten Durchklicken der verschiedenen NGOs bekommt man hier sehr unterschiedliche Eindrücke. Von „äußerst dynamisch und fortschrittlich“ bis „Führungsteam komplett austauschen“ findet man bei unterschiedlichen Organisationen alle Nuancen. Jedoch gibt es durchaus einige Gemeinsamkeiten. So wird zum Beispiel unabhängig vom Verhalten der Vorgesetzten der jeweiligen Organisationen der Zusammenhalt der KollegInnen gelobt. Konkurrenzdruck scheint hier ein Fremdwort zu sein. In vielen Kommentaren liest man auch von hoher Selbstmotivation, welche das Arbeiten für das Gemeinwohl mit sich bringt. Auf der anderen Seite ist jedoch auch von Abstrichen beim Gehalt zu lesen, welche aufgrund von anderen Vorteilen oft gerne in Kauf genommen werden. Außerdem scheinen offenbar vor allem einzelne österreichische Organisationen größere Probleme beim Vorgesetztenverhalten zu haben. Dieser Eindruck entsteht bei internationalen NGOs weniger.

Es ist ratsam, sich auch vor Arbeitsantritt bei einer gemeinnützigen Organisation Erfahrungsberichte von NGO-MitarbeiterInnen durchzulesen um böse Überraschungen zu vermeiden.

 

Quellen:
1) WU Wien
Kununu
Uni Heidelberg
RP online 

Über die Autorin:
Nach der Ausbildung am Medienkolleg Innsbruck verbrachte Elisabeth Schipflinger acht Monate als Volontärin in Afrika. Dort arbeitete sie sechs Monate im Waisenhaus der NGO Braveaurora in Ghana und zwei Monate im Rehab Center der Harnas Wildlife-Foundation in Namibia. Zurzeit studiert sie an der Universität für Bodenkultur Wien Umwelt- und Bioressourcenmanagement sowie Agrarwissenschaften.