Freiwilligendienst mit Incawasi in Cajamarca, Peru

„Einen Traum für jedes Kind“

Claudia Tasch war von Mai bis Dezember 2014 Freiwillige bei der Organisation Incawasi in Peru. In diesem Bericht teilt sie ihre spannenden Erfahrungen von ihrer Arbeit mit den peruanischen Kindern.

A CADA NIÑO SU SUEÑO – „Einen Traum für jedes Kind“ ist der Slogan der Organisation Incawasi in Cajamarca, bei der ich für mehrere Monate mitarbeiten, interessante Erfahrungen machen und viel lernen konnte.

In der Organisation Incawasi sind derzeit circa 40 Kinder im Alter von 6 und 16 Jahren, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen und ohne die Organisation Incawasi keinen Zugang zu grundlegenden Leistungen hätten. Die Hauptziele der Organisation sind die Unterstützung im schulischen Bereich, die Bereitstellung einer täglichen gesundheitsbewussten Nahrung, der Zugang zu medizinischen Versorgung und soziale Unterstützung.

Die Kinder leben in einfachen Verhältnissen. Oft ist es der Fall, dass sich der Vater kaum um seine Familie kümmert. Die Mutter arbeitet hart und ohne einen einzigen freien Tag im Jahr. Das verdiente Geld reicht kaum zum Leben. Um aus diesem Kreislauf der Armut ausbrechen zu können, unterstützt die Organisation Incawasi die Kinder und bietet ihnen neben der Schule auch einen Platz, wo sie Liebe, Anerkennung und Verständnis bekommen.

Die Organisation ist ähnlich wie ein Hort aufgebaut, wo die Kinder Essen bekommen, Hausübungen machen und an verschiedenen Workshops teilnehmen. In Peru sind die Schulstunden in zwei Gruppen aufgeteilt. Ein Teil der Schüler hat vormittags Unterricht, der andere nachmittags. Daher kommen die Kinder, die nachmittags in die Schule gehen am Vormittag ins Projekt, während die Kinder, die am Vormittag zur Schule gehen, am Nachmittag bei den Aktivitäten teilnehmen.

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Gemeinsames Mittagessen mit den Kindern

Zwischen 8.00 und 9.00 morgens klingeln die ersten Kinder an der Tür und frühstücken. Danach erledigen sie die Aufgaben für die Schule. Anschließend werden verschiedene Workshops angeboten, wobei sich sowohl die Professoren als auch die Freiwilligen einbringen. Um 12.00 wird zu Mittag gegessen bevor die Kinder in die Schule marschieren. Um circa 13.00 kommt die Nachmittagsgruppe, wobei der Ablauf ähnlich ist. Zuerst wird zu Mittag gegessen, dann werden Aufgaben gemacht und im Anschluss gibt es wieder verschiedene Workshops. Nach den Workshops gibt es noch einen Nachmittagssnack.

Das fixe Lehrerteam besteht aus den Professoren des Ortes Marleny und Alicia, die sich aufmerksam und liebevoll um die Kinder kümmern. July ist für die gesamte Organisation in Incawasi zuständig und für die psychologische Betreuung. Ana, José und Teresa sind zusätzliche Psychologen. Die warmherzige Dñ. Sebas, wie sie von allen hier genannt wird, kocht täglich vorzügliche Gerichte und ist immer für einen Plausch in der Küche zu haben.

Die Freiwilligen sind aus unterschiedlichen Altersgruppen (von 18 – 60 Jahren) und kommen aus den verschiedensten Ländern. Es macht Spaß, mit anderen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Folgende Freiwillige lernte ich kennen: Ruth (England), Andrew (Kanada), Steffen (Deutschland), Naomi (Australien), Donata (Deutschland), Leilaa (Kanada), Hafsa (Kanada), Réa (Kanada), Jeremy (Irland), Teresa (Deutschland), Miguel (Spanien), Florita (Frankreich), Miguel (Cajamarca), Alessandra (Cajamarca), Martin (Deutschland), Simon (Deutschland), Ian (Mexiko), Niel (USA), Xenia (Russland), Helena (Russland) und Mary (Frankreich).

Ich werde meinen ersten Tag nie vergessen. July holte mich vom Busbahnhof ab. Andrew aus Kanada kam mit demselben Bus an. July brachte Andrew und mich gleich zur Organisation und wies mich und Andrew in Incawasi ein. Ich verstand nur ein paar Wortfetzen von dem, was July erzählte, weil sie auf Spanisch viel zu schnell sprach. Trotzdem verfolgte ich jedes Wort ganz gespannt. Das Gepäck verstauten wir in unserem Zimmer, das im selben Haus war, in dem auch die Kinder betreut wurden. Schon bald kamen die ersten Kinder. July stellte mich vor und ich stand nervös neben ihr. Mit meinen paar Brocken Spanisch erzählte ich kurz von mir, während mich 30 Paar große süße Kinderaugen anstarrten. Die Kinder nannten mich von Beginn an „Professora“.

Incawasi_1Die ersten Tage beobachtete ich den gesamten Ablauf und gewöhnte mich an den Rhythmus. Die meisten Kinder waren zurückhaltend. Ich musste mich erst auf die Sprache, die Arbeit und die Kultur einstellen und die Charakterzüge der Kinder kennenlernen.

Als ich begann, mit den Kindern zu arbeiten, war ich ungeduldig und verstand das Verhalten mancher Kinder nicht. Nach und nach fühlte ich mich mehr in das Leben eingebunden und fand einen Zugang zu den Kindern. Ich übte mich in Geduld und konnte umso mehr Verständnis für die Kinder aufbringen, je mehr ich über die Hintergründe ihres Verhaltens und ihr Leben erfuhr.

Ich brachte mich mit verschiedenen Workshops ein. Donata und ich machten gemeinsam einen Back-Workshop. Die Kinder waren voller Begeisterung dabei und nach dem Essen wurden die Kekse auch gleich genüsslich verzehrt. Bei einem anderen Workshop ließ ich die Kinder über das Thema Freundschaft nachdenken und die Bedeutung von Freundschaft sollten sie in Form einer Zeichnung darstellen. Teresa machte den Vorschlag mit den Kindern Freundschaftsbänder zu knüpfen. Voller Eifer waren die Kinder auch beim Knüpfen dabei.

Mit den Professoren besuchte ich das Zuhause zweier Kinder. Es war interessant zu sehen, wie die Kinder leben. Es machte mich auch betroffen zu sehen, in welch einfachen Verhältnissen das war. Ein Haus, das ich besuchte, befand sich auf einem Hügel, wo viele ähnliche Häuser standen, die zu einem Teil aus Holzbrettern und zum anderen Teil aus einer Ziegelmauer mit Wellblech als Dach bestanden. Von weitem sahen wir eine Frau langsam mit einem Stock in gebeugter Haltung näher kommen und auf dem Rücken trug sie das bunte typisch peruanische Tuch vollgefüllt mit Grünzeug. Vor diesem Haus war ein Hahn angebunden. Als die Mutter die Tür zum Haus öffnete, rannen circa 10 Meerschweinchen quickend aus einer Ecke hervor, eine Katze und ein Hund schlängelten sich durch unsere Füße ins Freie. Der Boden des Hauses bestand nur aus Erde; auf einer Stelle lagen Äste und standen Töpfe, in denen anscheinend gekocht wurde. Es gab einen weiteren Raum, wo anscheinend die Schlafplätze waren. Die Mutter bot uns freundlich einen Sitzplatz an. Alicia begann der Mutter Fragen über das Kind und die Familienverhältnisse zu stellen. Im Gesicht der Mutter konnte man das harte Leben sehen und es machte mich betroffen zu sehen, welches Leben viele Menschen in Peru haben.

Am Wochenende unternahmen wir mit den Kindern Ausflüge. Einmal fuhren wir zu einem Bach außerhalb von Cajamarca, in der Nähe der Ventanillas Otuzco. Es war ein schöner Ausflug mit den Kindern, wo wir über Steinen den Bach überquerten und Spiele spielten.

Die Organisation Incawasi erhält keine Förderung von staatlichen oder anderen Unternehmen, sondern ist von Spendengeldern abhängig. Daher veranstalten sie viele Spendenaktionen in Cajamarca. Eine Veranstaltung ist eine Pollada, wo Hühnchen verkauft wird. Vor der Pollada werden Tickets verkauft, damit man weiß, wie viele Portionen zubereitet werden müssen. Die Pollada von Incawasi stellt zugleich auch ein gesellschaftliches Fest dar, wo sich die Menschen treffen, zusammensitzen und auch tanzen.

Eine andere Spendenaktion für Incawasi ist das Festival de Postres, das einmal im Monat stattfindet. Für diesen Event backten wir fleißig. Das gesamte Haus duftete herrlich nach Süßem. Das gesamte Wochenende verkauften wir die Mehlspeisen und Süßigkeiten dann in einem Einkaufszentrum.

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Handwerkskunst

July animierte die Mütter, ihre Handwerkskunst mit Hilfe von Incawasi zum Verkauf anzubieten, um damit das Familieneinkommen zu erhöhen. Sie fertigten zum Beispiel wunderschöne Decken, Schals, Puppenkleidchen und Geldbörschen aus Leder an.

Die Monate gingen schnell vorbei. Die Kinder wuchsen mir sehr ans Herz und am letzten Tag spürte ich ganz besonders, dass ich ihnen etwas Wertvolles geben konnte und sie gaben mir viel Herzlichkeit und Liebe zurück.

In diesen Monaten bekam ich einen Einblick in die Arbeit von Incawasi und verstand, wie wichtig derartige Organisationen für ein Land sind, in dem viele Menschen an der Armutsgrenze leben. Die Gründer, die Sponsoren, die Professoren, July, die Freiwilligen und all die anderen Teilhaber leisten wertvolle Arbeit und Input, damit Kinder, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen, einen Traum von einem besseren Leben verfolgen können.

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