Nachhaltiges Volunteering – Wie geht das?

NGOJobs meets DeeperTravel

Im großen Angebot an Volontariaten und Freiwilligenarbeit im In- und Ausland kann man schnell mal den Überblick verlieren. DeeperTravel ist ein Verein und gleichzeitig eine Plattform, die Menschen über nachhaltiges Reisen, weltweite Freiwilligenarbeit und Voluntourism informiert. Im Interview mit Eva von DeeperTravel gibt es viele spannende Infos und Perspektiven zum Thema Volunteering sowie den nachhaltigen Formen des Reisens.

Wie schafft ihr es bei all den Volunteering-Möglichkeiten einen Überblick zu behalten? 

Das ist natürlich nicht so einfach. Wir befassen uns seit Jahren mit dem Thema, lesen Fachliteratur und recherchieren viel – so bleiben wir auf dem Laufenden. Darüber hinaus ist der Austausch mit anderen Organisationen und Initiativen äußerst wichtig. Auch wenn es immer wieder neue Trends und neue AnbieterInnen gibt, ändert sich bei den Möglichkeiten und Einsatzbereichen für Freiwilligenarbeit doch relativ wenig.

Viele Menschen verzweifeln an den oft hohen Preisen die für das Volunteering in fernen Ländern anfallen. Wie steht ihr zu den Gebühren, die verlangt werden um Freiwilligenarbeit zu leisten?

Natürlich verwundert es, wenn man für ehrenamtliche Arbeit etwas bezahlen soll. Gleichzeitig entstehen für die Unterkunft, den Transport, die Verpflegung, die Versicherung, etc. bei jeder Reise Kosten. Darüber hinaus fallen sowohl bei Entsendeorganisationen als auch bei ReiseveranstalterInnen Personalkosten bei der Abwicklung einer Volunteer Reise an. Das beginnt bei der ersten Beratung, geht weiter mit der Vorbereitung-, Begleitung und Nachbereitung, bis zur gesamten Kommunikation mit den ProjektpartnerInnen vor Ort, der Organisation von Unterkunft und Transport und so weiter. Selten kann all dies von Ehrenamtlichen abgewickelt werden, also kann man sich fragen, wer dies bezahlen soll.

(In diesem Blogpost haben wir uns mit diesem Thema genauer beschäftigt)

Bei Entsendeorganisationen werden Mittel über Spenden und öffentliche Subventionen lukriert, bei privaten AnbieterInnen werden diese Kosten anteilsmäßig an die Freiwilligen weitergegeben. Bei beiden Varianten besteht die Gefahr eines „Überbaus“ an Verwaltung. Wichtig erscheint uns die Transparenz der Kosten.

Bietet eure Organisation auch selbst Möglichkeiten zum Volunteering an? 

Wir sind ein Verein und freuen uns natürlich über ehrenamtliche Mitarbeit bei DeeperTravel, zum Beispiel durch das Verfassen von Erfahrungsberichten, Reiseberichten oder Gastartikeln. Ansonsten ist DeeperTravel keine Entsendeorganisation.

Allerdings sind wir PartnerInnen von Loro Trips – einem kleinen Salzburger Reiseveranstalter für nachhaltiges Reisen in Nicaragua, der früher Teil der Städtepartnerschaft Salzburg-León war. Über Loro Trips kann man unterschiedliche Rundreisen, Themenreisen (wie zum Beispiel Fairer Handel), Sprachreisen und auch Volunteer Reisen buchen. Im Bereich Volunteer Reisen unterstützen wir bei der Platzierung und machen Workshops und Seminare zur Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung der Freiwilligen.

„Nur beim Reisen an Nachhaltigkeit zu denken, reicht nicht aus.“

Was ist euer Ratschlag für alle, die wirklich nachhaltig reisen möchten? 

Wir haben eine 4- Teilige Serie zum #IY2017 (Internationales Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung) mit vielen Ratschlägen und Überlegungen publiziert. Nachhaltig Reisen ist nicht so einfach, und kann nicht auf Umweltschutz reduziert werden. Wichtig sind auch Punkte wie gerechte Bezahlung im Tourismus und Armutsbekämpfung sowie Respekt für traditionelle Werte und kulturelle Eigenheiten, globales Denken und interkulturelle Verständigung.

Nur beim Reisen an Nachhaltigkeit zu denken, reicht nicht aus. In Wirklichkeit bräuchten wir strukturelle Änderungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die NGO SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil hat ein interessantes Projekt gestartet, bei dem man sich mit einem Selbstversuch dem Thema Nachhaltigkeit intensiv widmen kann.

Welche Fähigkeiten sind in der Freiwilligenarbeit vor allem gefragt?

Offenheit, Neugier, Reiselust und Begeisterungsfähigkeit sind schon einmal ein gutes Grundgerüst. Dann kann man je nach Qualifikation und Fähigkeit in unterschiedlichen Projekten eingesetzt werden. Sehr beliebt sind nach wie vor Projekte im Bildungsbereich, bzw. Projekte mit Kindern. Das ist ein sehr sensibles Thema und wir haben gemeinsam mit dem Kinderschutzverein ECPAT eine Broschüre über Kinderschutz bei der Freiwilligenarbeit herausgegeben. Für derartige Einsätze wäre eine pädagogische Ausbildung von Vorteil. Im Sozialbereich gibt es auch sehr viele Einsatzmöglichkeiten; wer eine Ausbildung im Bereich Sozialarbeit oder im Gesundheitsbereich mitbringt, wird keine Probleme haben, ein passendes Projekt zu finden. Es gibt aber auch im Umweltbereich Einsatzmöglichkeiten und auch handwerklich geschickte Freiwillige werden oft gesucht. Was uns auffällt ist, dass in letzter Zeit auch vermehrt Personen für Öffentlichkeitsarbeit und Administration nachgefragt werden. Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist natürlich die Kenntnis der Landessprache, bzw. der Sprache die beim Projekt vorherrscht.

„Eine Volunteer Reise soll kein Last Minute Urlaub sein“

Wie können sich Interessierte vorbereiten, um ein Volontariat für alle Seiten positiv zu gestalten? 

Als allererstes sollte man viel recherchieren und sich klar werden, was genau und warum man das möchte. Dann gilt es keine Entscheidung „über den Zaun zu brechen“ – eine Volunteer Reise soll kein Last Minute Urlaub sein, sondern braucht eine fundierte Vorbereitung. Nur wenn man sich von vornhinein gut beraten und betreut fühlt, sollte man die Reise antreten. Daher ist die Entscheidung, welcher AnbieterIn man vertraut, zentral.

Wichtig ist unseres Erachtens auch, dass seitens der AnbieterInnen keine unrealistischen Versprechungen (ohne Qualifikation in allen Bereichen einsetzbar) gemacht werden, dass die direkte Kommunikation mit den Projektverantwortlichen und ehemaligen Volunteers ermöglicht wird, dass alle Unklarheiten bei der Beratung beseitigt werden und eine umfangreiche Vorbereitung für den Einsatz verpflichtend ist. Ideal ist, wenn die Freiwilligen außerhalb des Projektes im Zielland noch eine Ansprechperson haben und wenn ihnen noch eine Nachbereitung angeboten wird, mit der sie über ihren Einsatz reflektieren können. Die Kostentransparenz und eine angemessene Dauer sollten ebenfalls Auswahlkriterien sein. Wenn eine Organisation anbietet, man könne ohne pädagogische Ausbildung zwei Wochen lang mit Kindern arbeiten, sollte man die Finger davon lassen.

Auf unserer Infoplattform mit Blog haben wir zahlreiche Tipps und Tricks wie man sich als Volunteer vorbereiten kann, publiziert. Es gibt eine Liste mit weiterführenden Links zu Publikationen, Beratungsstellen und Vereinen. Außerdem haben wir ein Ebook zum Thema ‚Faires Volunteer Reisen’ herausgegeben. Wer Fragen hat, kann uns auch gerne anschreiben, wir versuchen so gut es geht zu unterstützen.


Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf https://deepertravel.de/